| Von Dr. med. univ. Peter
H. Lauda
Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Arzt für Allgemeinmedizin
Freie Radikale,
Mikronährstoffe, Anti-oxidantien, Umweltbedingte Krankheiten
A. Allgemein
Der menschliche Körper
ist ein außerordentlich kompliziert aufgebauter Organismus mit
vielen komplexen Leistungen. Die moderne wissenschaftliche Forschung
hat herausgefunden, daß der Mensch zur Erhaltung der Gesundheit,
der Leistungs- und Fortpflanzungsfähigkeit rund 50 verschiedene
chemische Stoffe mit der Nahrung in einem bestimmten Mengenverhältnis
aufnehmen muß. Dabei handelt es sich um die Kohlenhydrate, die
Fette, worin essentielle Fettsäuren wie Linolsäure oder Linolensäure
enthalten sind, und die Proteine (= Eiweiße), welche aus Aminosäuren
zusammengesetzt sind.
Mit der Nahrung zu sich nehmen
muß der Mensch weiters sogenannte Mikronährstoffen, ihnen
kommt eine besondere Bedeutung zu. Mikronährstoffe werden in nur
sehr kleinen Mengen benötigt und sind weder Energielieferanten
noch Baustoffe, sie sind jedoch an vermittelnden oder steuernden Prozeßen
beteiligt und damit unabdingbare Bestandteile der unzähligen Stoffwechselreaktionen
im menschlichen Körper. Zur großen Gruppe der Mikronährstoffe
gehören
• Vitamine (z. B. A,
C, E, B-Komplex)
• Mineralstoffe (z.B. Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium)
• Spurenelemente (z.B. Selen, Zink, Kupfer, Mangan, Eisen, Chrom)
• Bestimmte Proteine und Aminosäuren (z. B. Methionin, Cystein,
Glutamat)
• Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe (z. B. Flavonoide, Indole,
Saponin)
• Coenzyme (z. B. Coenzym Q 10)
• Fettsäuren (z. B. Omega-3-Fettsäuren)
• Vielzahl weiterer Substanzen (z. B. Cholin, Ginkgo Biloba, Ginseng,
Lecithin, Propolis, Algen).
Gerade auch die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind neuerdings
immer häufiger Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen,
da ihre positiven Wirkungen zum Beispiel gegen Krebs Anlaß zu
Hoffnung geben. Ihre Wirkungen sind vielfältig: Manche Phytosubstanzen
fangen Freie Radikale (siehe unten) ab oder verhindern die Abgabe/Entstehung
von krebserregenden Stoffen, andere wiederum blockieren die Einwirkungen
von Karzinogenen an den Zielorganen. Bekanntes Beispiel hierfür
sind die Inhaltsstoffe des Brokkoli.
Schon an dieser Stelle soll betont werden, daß eine der Hauptfunktionen
von zahlreichen Mikronährstoffen in ihrer Wirkung als wichtige
Antioxidantien (siehe unten) im menschlichen Körper liegt!
Die besondere Bedeutung der Mikronährstoffe liegt in ihrer Unentbehrlichkeit
für den Menschen. Sie müßen mit der Nahrung aufgenommen
werden, weil der menschliche Organismus sie nicht selbst herstellen
kann. Allen Mikronährstoffen ist weiter gemein, daß sie wahre
Multitalente mit mannigfaltigen Funktionen im komplizierten menschlichen
Stoffwechselgeschehen sind. Das Wissen der Medizin um die große
Bedeutung der Mikronährstoffe und deren Zusammenhänge mit
Gesundheit, Krankheitsentstehung und Krankheit ist im Augenblick leider
noch sehr bruchstückhaft, insgesamt bescheiden. Die Gründe
dafür sind vielfältig. Zum einen sind die Vitamine, Mineralstoffe
und Spurenelemente relativ spät erst von der Chemie bzw. Biochemie
entdeckt wurden; das Vitamin B12 (Cyanocobalamin) zum Beispiel im Jahre
1948 durch Folkers und Smith.
Eine Sonderstellung nehmen hier, wie auch noch in einigen weiteren Punkten,
die Spurenelemente ein. So konnte das wichtige Spurenelement Selen gar
erst im Jahre 1973 als wesentlicher Bestandteil des Enzyms Gluthtionperoxidase
nachgewiesen werden. Die Gluathionperoxidase wiederum zählt zu
den wichtigsten antioxidativen körpereigenen Schutzsystemen, deren
Hauptaufgabe es ist, empfindliche Zellmembrane vor der Zerstörung
durch Freie Radikale zu schützen. Ein weiterer Grund für das
lückenhafte Wissen um die Mikronährstoffe ist deren zum Teil
recht schwierige Analytik, auf die an dieser Stelle nicht näher
eingegangen werden soll. Jedenfalls existieren nur wenige Speziallabors,
die eine Analytik der (antioxidativen) Mikronährstoffe sowie Parametern
des oxidativen Stress (siehe unten) derzeit durchführen können.
Es ist sogar für Experten eigentlich nicht möglich ist, den
exakten täglichen Bedarf an Mikronährstoffen im Sinne einer
optimalen ernährungsmäßigen Gesundheitsförderung
bzw. Krankheitsprävention anzugeben. Noch schwieriger wird es,
wenn Mikronährstoffe zur Therapie von bestimmten Syndromen und
Krankheiten eingesetzt werden sollen. Die vielzitierten Empfehlungen
der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die tägliche
Aufnahme von Mikronährstoffen betreffend, stammt aus den Fünfziger
Jahren und sind allesamt zu niedrig. Als die DGE im Jahre 1956 begann,
Dosierungsempfehlungen für Nährstoffe zu veröffentlichen,
wußte man noch sehr wenig über deren Wirkungsweise. Vereinfacht
ausgedrückt entzog man den Versuchspersonen so lange ein betimmtes
Vitamin, bis sie krank wurden. Danach führte man das Vitamin so
lange zu, bis die Krankheitssymptome verschwanden. So sind die auch
die heutigen Empfehlungen der DGE bestenfalls geeignet, Vitaminmangel
- Krankheiten zu verhindern wie zum Beispiel Skorbut (Vitamin C Mangel)
oder Rachitis (Vitamin D Mangel). Keinesfalls sind sie zur Prävention
von bestimmten Krankheiten oder gar zur Therapie mit Mikronährstoffen
brauchbar. Ähnlich verhält es sich mit den amerikanischen
RDA (Recommanded Dietary Allowances).
Hinsichtlich des tatsächlichen menschlichen Bedarfs an Mikronährstoffen
läßt sich festhalten, daß derzeit KEINE exakten, wissenschaftlich
fundierten Zahlen über eine optimale Dosierung vorliegen.
Jeder Mensch ist, was seinen optimalen Bedarf an Mikronährstoffen
betrifft, ähnlich wie sein Fingerabdruck, nämlich einzigartig.
Ein erster Schritt, sich der Frage nach dem tatsächlichen Bedarf
an Mikronährstoffen eines Menschen zu nähern, liegt in einer
seriösen Diagnostik dieser Mikronährstoffe im Blut. Danach
kann ein etwaiger Mangel mit entsprechenden Präparaten gezielt
ausgeglichen werden.
Zu Besorgnis Anlaß gibt das Konsumverhalten von weiten Teilen
der Bevölkerung hinsichtlich der Mikronährstoffe. Auf „Empfehlungen“
von Freunden oder Bekannten oder auch der Werbung in den Medien oder
einfach nach eigenem Guttünchen werden Vitamine, Spurenelemente
u.v.a.m. gekauft und eingenommen. Diese Praxis der Selbstmedikation
ist nach dem heutigen Wissensstand nicht unproblematisch, besonders
bei den Spurenelementen. Der Bereich, in welchem ein Spurenelement für
den Körper nützlich oder bereits toxisch (giftig) sein kann,
ist gering und liegt im Bereich von Tausendstel Milligramm. Ein Zuviel
kann hier genauso schädlich wie ein Zuwenig sein.
Nichts hingegen einzuwenden ist etwas gegen die tägliche Einnahme
eines niedrig dosierten, qualitativ hochwertigen, Multivitamin-, Mineralstoff-
und Spurenelemente-Präparates, optimalerweise nach Rücksprache
mit dem Hausarzt bzw. auf dessen Empfehlung.
B. Freie Radikale, Redoxsysteme, Oxidativer Stress, Anti-oxidantien
Stoffwechselprozeße im menschlichen Organismus sind nichts anderes
als komplexe biochemische Reaktionsabläufe. Dabei entstehen unter
anderem auch hochreaktive Moleküle, die als Freie Radikale bezeichnet
werden. Freie Radikale besitzen ein oder mehrere ungepaarte Elektronen
und sind deshalb, chemisch gesehen, sehr aggressiv. Sie wirken oxidativ
(„verbrennend“), neigen zu Kettenreaktionen und können
jede beliebige biologische Struktur (z. B. Aminosäuren, Zellmembranen,
Erbsubstanz) angreifen, diese schädigen oder gar zerstören.
Freie Radikale entreißen dem angegriffenen Atom bzw. Molekül
ein Elektron und machen es dadurch selbst zu einem Freien Radikal. Chemisch
gesehen sind Freie Radikale starke Oxidantien und die durch sie vermittelten
Reaktionen Oxidationen, die meist in Form einer Kettenreaktion ablaufen.
Prinzipiell setzt der Organismus diesen Oxidationen Reduktionen gegenüber,
um so Freie Radikale unschädlich zu machen. Viele Mikronährstoffe
wirken reduzierend, indem sie ein Elektron an das Freien Radikal abgeben
und es dadurch entschärfen.
Dieses System der Oxidationen und Reduktionen wird als Redoxsystem bezeichnet.
Es ist für den menschlichen Organismus von großer Bedeutung
(z.B. Energiegewinnung) und genaue Kenntnisse darüber für
das Verständnis des Radikalstoffwechsels grundlegend!
In einem ausgelichenen Körper halten sich Oxidationen und Reduktionen
im Gleichgewicht, d.h. das Redoxpotential liegt bei Null.
Redoxpotentiale im menschlichen Körper können gemessen und
damit eine Aussage getroffen werden, ob die Radikalfänger (Reduktionen)
oder die Radikalbildner (Oxidationen) überwiegen.
Weitere Möglichkeiten der biochemischen, exakten Analyse des Radikalstoffwechsels
bzw. der Anti-oxidantien sind unter anderem:
• Gesamt-Antioxidantien-Status
• Gesamt-Glutathion, Malondialdehyd
• Glutathion-S-Transferase, Superoxid-Dismutase (SOD), Gluathion-Peroxidase
(Gx-SH)
Diese aussagekräftigen, biochemischen Parameter des Radikalstoffwechsels
werden derzeit weder im Krankenhaus noch im niedergelassenen Bereich
routinemäßig bestimmt.
C. Option anti-oxidative Therapie
Die große Bedeutung liegt in der Option einer zusätzlichen,
anti-oxidativen Therapie als Ergänzung unserer bisherigen, schulmedizinisch
fundierten Therapien als Ergebnis derartiger Analysen!
Das es sich aber lohnt, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, haben
schon einige Studien bewiesen.
Ein Beispiel:
Wissenschaftler der Universität Tokio wiesen mit Selen nach, daß
sich die Verträglichkeit der sehr aggressiven Platintherapeutika
beim Patienten deutlich verbessern ließ und zusätzlich noch
die Wirksamkeit einer solchen Chemotherapie noch steigern ließ.
Diese Effekte dürften auf zwei Besonderheiten beruhen:
• Selenit wirkt als Redoxsubstanz, d.h. es kann sowohl oxidieren
wie auch reduzieren. Die dabei entstehenden Zwischenprodukte wirken
tumorhemmend. Sie senken den Gluathiongehalt der Tumorzelle und schwächen
damit ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Freien Radikalen.
Die Effektivität radikalbildender Therapeutika wird gesteigert.
• Selen steigert die Aktivität von T-Lymphozyten und macht
sie zu Killerzellen, die ebenfalls den Tumor angreifen. Ferner hemmt
es die Signalübertragung und damit unkontrolliertes Zellwachstum.
Bemerkenswert ist eine Strategie von betimmten Tumoren, die als schwer
therapierbar gelten (Melanom, Pankreas- und Leberzellkarzinom). Diese
Tumoren speichern Radikalfänger wie Vitamin E. Sie verleiben sich
also Anti-oxidantien zu ihrem eigen Schutz ein, spdaß radikalbildende
Therapieverfahren wie Chemo- und Strahlentherapie ihnen kaum etwas anhaben
können. Hohe Glutathiongehalte, Entgiftungsenzyme und andere Komponenten
steigern die Resistenz solcher Tumorzellen gegenüber Radikalangriffen.
Eine breit gefächerte Gabe von Anti-oxidantien würde in diesen
Fällen keinen Sinn machen. Bei einem gezielten Einsatz einzelner
Anti-oxidantien ändert sich das Bild jedoch wieder.
Der Einsatz von Anti-oxidantien in der Krebstherapie ist demnach sorgfältig
abzustimmen. Eine pauschale Verordnung kann und darf es nicht geben!
Der individuelle Bedarf, gemessen am Redoxpotential und anderer biochemischer
Parameter der Anti-oxidantien und des Radikalstoffwechsels, die Tumorart
und andere Faktoren müßen die Therapie bestimmen. Auch müßen
die biophysikalischen Eigenschaften der Tumorzellen berücksichtigt
werden.
Auf den Nutzen der Anti-oxidantien hinsichtlich Prävention von
Krankheiten soll hingewiesen werden.
D. Krebsprophylaxe mit Anti-oxidantien
Speziell in der Krebsprophylaxe als besonders wirksam gelten: Vitamin
E, C, Beta-Karotin, Selen, B-Vitamine und Flavonoide.
So empfiehlt zum Beispiel die Amerikanische Ernährungsgesellschaft
(American Diet Association) als tägliche Dosis zur Krebsvorsorge:
Vitamin E 200-800 I.E.
Vitamin C 1000mg
Selen 50-200ug.
• Starke Raucher senken ihr Risiko, wenn sie auf eine reichliche
Anti-oxidantien-Einnahme von Coenzym Q 10, Beta-Karotin, Vitamin C,
Vitamin E und Selen achten
• Von Beta-Karotin ist bekannt, daß es karzinogene Frühveränderungen
(Mundhöhle, Bronchien, Muttermund) sogar wieder beseitigen kann
• Bei 90 % der Frauen mit Mamakarzinom ist ein Selenmangel nachweisbar
• Dr. Köpcke von der Klinik in Rostock, Deutschland, wie
bei Frühveränderungen des Muttermunds nach, daß die
betroffenen Frauen eine Unterversorgung an Vitamin E, Beta-Karotin,
und Selen zeigten
• Bei Frühformen bösartiger Schleinhautveränderungen
in der Mundhöhle (Raucher, Alkoholmißbrauch, AIDS-Patienten)
ließen sich durch gabn von Beta-Karotin bei den meisten Patienten
Rückbildungen erreichen. Diese Einnahmen müßen allerdings
ständig fortgesetzt werden.
• In der Linxian-Studie aus China wurde eindrucksvoll die Wirkung
von Anti-oxidantien nachgewiesen. Täglich erhielten die Versuchspersonen
60 IE Vitamin E, 15 mg Beta-Karotin und 50 ug Selen. Trotz dieser relativ
niedrigen Dosierung lag nach 5 Jahren die Sterblichkeitsrate aller Krebserkrakungen
um 13% niedriger als in der Kontrollgruppe.
Besonders hervorgehoben soll an dieser Stelle werden, daß die
Supplementierung mit Mikronährstoffen prinzipiell als Kombination
erfolgen sollte, da die Mikronährstoffe und Anti-oxidantien, ähnlich
einem guten Orchester, ihre positiven Effekte immer gemeinsam am besten
entfalten können.
E. Mikronährstoff-Kombinationen
Die allgemein wichtigsten Mikronährstoffe
• Vitamin C
• Vitamin E
• Beta-Karotin
• Selen
Die wichtigsten Mikronährstoffe für Raucher
• Vitamin C
• Vitamin B3
• Zink
• Selen
• Vitamin E
• Beta-Karotin
• Cystein
Die wichtigsten Mikronährstoffe bei Alkoholkonsum
• Vitamin C
• Vitamin B1
• Vitamin B6
• Vitamin B12
• Folsäure
• Cystein
• Selen
• Magnesium
• Zink
• Beta-Karotin
• Vitamin E
Die individuelle Dosierung sollte optimalerweise, nach entsprechenden
Analysen, durch den Arzt festgelegt werden.
Einzelgaben von Anti-oxidantien, vor allem wenn sie hoch dosiert werden,
sind problematisch.
Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Mikronährstoffe
untereinander sind teilweise noch unklar und Gegenstand intensiver klinischer
Grundlagenforschung auf diesem Gebiete.
F. Anti-oxidative Schutzsysteme des Menschen
Der Körper besitzt ein dreifach gestaffeltes Anti - oxidatives
Schutzsystem, um die ständig anfallenden Freien Radikale unschädlich
zu machen.
• Primäre Anti-Oxidantien: Verhindern die Neubildung von
Freien Radikalen (z.B. Superoxid Dismutase, Glutathionperoxidase)
• Sekundäre Anti-Oxidantien: Entfernen neugebildete Freie
Radikale, bevor diese eine Kettenreaktion mit Zellschädigungen
auslösen können (z.B. Vitamin E, VitaminC, ß-carotin
bzw. Vitamin A, Harnsäure, Bilirubin)
• Tertiäre Anti-Oxidantien: Reparieren durch Freie Radikale
verursachte Zellschäden (z.B. Methionin Sulfoxid Reduktase, DNA
Reparaturenzyme)
Neben den physiologisch ablaufenden Stoffwechselvorgängen gibt
es viele Umweltfaktoren, die zur (zusätzlichen) Bildung von Freien
Radikalen im menschlichen Körper führen:
• Extrembelastungen (z.B. Krankheit, Trauma, Intensiver Sport,
Stress, Sonnenbäder Rauchen, Alkohol)
• Medikamente
• Umweltschadstoffe
• Falsche Ernährung
• u.v.a.m.
Sollte die Bildung von Freien Radikalen die Kapazität der Schutzsysteme
überschreiten bzw. die Schutzsysteme durch einen Mangel an anti-oxidativen
Mikronährstoffen (v.a. Vitamine, Spurenelemente) geschwächt
werden, dann nehmen die Freien Radikale überhand und greifen nun
vollkommen wahllos empfindliche biologische Strukturen wie Aminosäuren,
Fette, Zellmembranen und auch die Nukleinsäuren (Erbsubstanz) an
und schädigen bzw. zerstören dieselben. Man nennt diesen Zustand
Oxidativen Stress. Er wird in Zusammenhang mit vielen radikal-assoziierten
Krankheiten gebracht.
G. Oxidativer Stress bzw. Radikal-assoziierte Krankheiten
Die wichtigsten, Radikal-assoziierten Krankheiten, ausgelöst durch
oxidativen Stress, sind:
• Krebs
• Arteriosklerose und Infarkt (Herz, Hirn)
• Arthrose
• Lungenkrankheiten
• AIDS
• Erkrankungen des Zentralnervensystems
• Vorzeitige Alterungserscheinungen (Haut, Gehirn, Auge, etc.)
• Leberschäden
• Allergien
• Chronisch entzündliche Erkrankungen („Rheumatismus“)
Im wesentlichen sind es 4 Typen von Freien Radikalen, die im menschlichen
Körper auftreten:
• Superoxid Radikal (O2 ?)
• Hydroxyl Radikal (OH ?)
• NO Radikal (NO?)
• Peroxyl Radikal (ROO?)
H. Radikale als Helfer und Heiler
Freie Radikale besitzen im Körper aber auch eine Vielzahl von Schutzfunktionen,
ohne die der Mensch nicht leben könnte.
So verwenden z. B. die polymorphkernigen Neutrophile, wichtige Zellen
des menschlichen Immunsystems, Freie Radikale zur Zerstörung von
Bakterien und Viren. Krebszellen werden durch Freie Radikale eliminiert,
etc.
Freie Radikale sind deshalb so etwas wie ein Messer mit doppelter Klinge:
Für das Überleben des menschlichen Organismus absolut notwendig,
auf der anderen Seite führt ein Zuviel an Freien Radikale im Körper
unweigerlich zu bestimmten Krankheiten.
ZUSAMMENFASSUNG
• Es steht außer Zweifel, daß Freie Radikale und anti-oxidative
Mikronährstoffe für die menschliche Gesundheit sowie auch
in der Entstehung von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen.
Entsprechende, inzwischen vorliegende, wissenschaftliche Daten bzw.
Studienergebnisse belegen dies.
• Routinemäßige Analysen des Gesamt-Anti-oxidantienstatus,
einzelner wichtiger Anti-oxidantien und Parametern des Radikalstoffwechsels
wären wünschenswert
• Im Idealfall erhält jeder Mensch (Prävention) bzw.
jeder Patient (Therapie) eine individuelle Anti-oxidantien-Kombination
• Die Option anti-oxidative Therapie stellt eine Ergänzung
unserer bisherigen, bewährten, schulmedizinischen Therapieverfahren
dar
Es wird somit den Forschungsergebnissen auf den Gebieten der Freien
Radikale und Anti-oxidantien Rechnung getragen.
• Die Gabe einzelner hochdosierter Anti-oxidantien bzw. hochdosierter
Kombinationspräparate ist problematisch und ohne entsprechende
biochemische Laboranalysen nicht empfehlenswert
• Sinnvoll hingegen ist die Empfehlung der täglichen Einnahme
eines niedrig dosierten, qualitativ hochwertigen, Kombinationspräparates
aus Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Ein solches Präparat
kann auch ohne entsprechende Analysen gegeben werden.
• Verschiedene Faktoren des hierzulande üblichen, ungesunden
Lebensstiles (Rauchen, Alkohol, Umweltschadstoffe, Stress, etc.) benötigen
eine erhöhte, täglich Zufuhr von Mikronährstoffen, insbesondere
von Anti-oxidantien, wie sie vor allem in frischem Obst, Gemüse
und Vollwertprodukten enthalten sind.
Demgegenüber steht die qualitativ und quantitativ falsche Ernährung
von weiten Teilen der Bevölkerung mit dem Ergebnis einer erhöhten
Radikalbelastung.
Dies wiederum impliziert die tägliche Einnahme eines entsprechenden
Mikronährstoffpräparates, optimalerweise nach Rücksprache
bzw. auf Empfehlung des Hausarztes.
• Die intensive Beschäftigung von Seiten der Medizin mit
dem Komplex Freie Radikale-Anti-oxidative Mikronährstoffe-Umweltbedingte
Krankheiten, sowohl in der Forschung wie auch in der täglichen
Praxis, eröffnen zusätzliche diagnostische, therapeutische
und vor allem auch präventive Möglichkeiten.
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